Interview mit dem Kranführer Hein Brandt

Frage:
Ab wann hast Du mit dem Elektrokran vom Fabrikat Bamag-Meguin
gearbeitet?
Antwort:
Bereits 1959 bin ich bei den Stadtwerken angefangen zu arbeiten. Aufgrund
der Zusammenarbeit mit der Fa. Wika-Beton begann ich 1964 - immer auf
Leihe - für die Hafenbetriebsgesellschaft mit dem Kran zu arbeiten
- war
aber beschäftigt bei den Stadtwerken.
Frage:
Ist man LKW-Fahrer und kann auch Kran fahren?
Antwort:
Ich habe in Düsseldorf richtig eine Ausbildung erhalten auf dem
Gottwald-
Kran, der auch am Hafen war. Das war ein Autokran. Der Elektrokran wurde
im Krieg von von Schassen bedient. Dann kam Bernhard Meier. Der hatte
ein Glasauge und durfte nicht mehr und wurde abgelöst von Arthur
Großwendt. Für den kam ich.
Frage:
Erinnerst Du Dich an die Anfänge der DOW?
Antwort:
Die Pier in Bützfleth war noch nicht fertig und da wurden Gebinde
von
immer 6 Fässern zu uns an den Hafen gefahren und vom E-Kran auf
Schuten
gesetzt und damit nach Hamburg zum umladen transportiert. In diesem
Zusammenhang erinnere ich mich ganz besonders an den Besuch des engl.
Fotografen Peter Townsend. Er hat oben vom Kran fotografiert für
die DOW.
Frage:
Habt Ihr dem Kran auch mal etwas mehr zugemutet als die 5 to. in der
Mitte
und 2, 5 to. am Ende vom Ausleger?
Antwort:
Nein, denn wir wurden regelmäßig auch vom TÜV überwacht.
Der Kran
hatte nämlich auch einen Überlastregler. Nach dem Bruch des
Drehkranes
wurde vom TÜV generell auf 2,5 to. Tragfähigkeit begrenzt.
Frage:
Gibt es Erinnerungen an spektakuläre Lasten?
Antwort:
Eigentlich ging es immer um Kohle - hauptsächlich für die
Stadtwerke. Das
war Schmiedekohle die zur Kokerei kam. Dafür hatten die Stadtwerke
eine
eigene Lokomotive und 4 Anhänger. 2 davon wurden beladen und
weggefahren und währenddessen die beiden anderen beladen.
Der Kran hatte für die Eisenbahn ein eigenes Gleis und über
die Weichen
hinten beim Hafenhaus erfolgte der Anschluß an die Industriebahn,
die vom
Bahnhof kam.
Frage:
War Kranführer eigentlich ein Fulltimejob?
Antwort:
Wenn ein Schiff da war, mußte es leer gemacht werden. Ich war
immer bei
den Stadtwerken beschäftigt und mein oberster Chef war der Geschäftsführer
Schirmer. Das war ein ganz besonderer Mensch. Einmal hat
er, als wir morgens anfingen, gesagt, um 12.00 Uhr ist Schluß.
Als ich mich
nach dieser Anweisung verhielt, kam er und fragte, ob ich keine Luste
mehr
hätte. Natürlich hatte ich, denn die LKW waren da und das
Schiff noch nicht
leer. Das war ganz schwierig, sich auf diesen Chef einzustellen und
merkwürdigerweise hat der sich ganz viel um die Kräne gekümmert.
Frage:
Ist der Kran zu Deiner Zeit noch als Waage eingesetzt worden, was
ursprünglich der Fall war?
Antwort:
Nein, dafür gab es doch die Fuhrwerkswaage und da war der Hafenmeister
Gleis, nachdem Gooßen Rentner geworden war.
Frage:
Wohnte der Adolf Gleis als Hafenmeister im Baumhaus?
Antwort:
Nein, der wohnte doch in der Breslauer Straße.
Frage:
Gibt es - nochmals gefragt - Erinnerungen an besondere Güter?
Antwort:
Wir haben ganz viel Langholz für Hagenah-Borcholte entladen. Die
kamen
auf Spezialanhänger und wurden rüber gefahren.
Frage:
War der Kran schwierig zu bedienen?
Antwort:
Eigentlich nicht. Die Wika-Beton hatte in der Kabine alles modernisiert
mit
Sessel und vielen kleinen Knöpfen.
Was nicht funktioniert hat, war der elektrische Greifer. Der war zu
klein und
das Kabel hat sich immer auf der Trommel aufgedreht.
Mit geöffnetem Greifer ging es in den Laderaum. Beim Aufsetzen
wurde
geschlossen und dann bis zur Glocke hochgezogen vor dem Schwenken.
Frage:
Als der Gottwald-Autokran am Hafen war, kam da der Bamag-Meguin mehr
und mehr auf's Abstellgleis?
Antwort:
Nein. Das hat lange gedauert. Ein ganz großer Höhepunkt war
der
Kraftwerksbau in Bassenfleth. Alle Materialien kamen über den Hafen
und wurden von Fa. Schlichtig gefahren. Da war tüchtig was zu tun.
Ich
habe 1 Schiff und der Gottwold 3 Schiffe geschafft von 200 to.
Frage:
Wenn ein Schiff leer war, gab es dann eine Buddel "Schluck"?
Antwort:
Ja, das gehörte dazu - auch für die Besatzung und ganz besonders
der
Kapitän des Schiffes, der auch die Flasche spendierte.
Frage:
Was war denn so tägliches Geschäft an Ladung?
Antwort:
Früher war es hauptsächlich die Kohle, dann kam eine Zeit
lang viel
Schlacke und zur Wika-Zeit war es hauptsächlich Kies.
Frage:
Habt ihr auch Schiffe d. h. Sportboote aus dem Wasser geholt?
Antwort:
Da erinnere ich mich nur, daß der Gottwald das gemacht hat z.
B. mit
Nagel's Schiff. Das wog 8 to.
Frage:
Wie ist der denn in die Freiburger Str. gekommen?
Antwort:
Die Hansestraße war noch nicht da und dann ging es mit dem Schiffstransporter
aber auch ich mit dem Gottwald-Kran durch die Salzstraße
über den Fischmarkt und durch die Kehdinger Straße. Im Winter
hat der
Gottwald bei den Stadtwerken auf dem Hof die Kohle verladen.
Frage:
Gibt es besonders spaßige Erlebnisse?
Antwort:
Eigentlich war es immer ganz lustig - so mit alle Mann. Das war schon
eine
gute Truppe. Das betraf die Wechselspiele mit dem Chef Schirmer, aber
z.B.
auch mit dem Zoll. Der kam natürlich auch immer mal vorbei und
mit dem
mußte man sich gut stellen.
Einmal kamen sie vorbei und da hatten wir gerade unsere Buddels
bekommen. Da sagte der Zoll, die Flaschen werden nicht mit nach Hause
genommen. Was blieb uns, als unter Zollaufsicht uns auf die Motorhaube
zu setzen und die Flasche leer zu trinken. Dann sind wir nach Hause
gefahren.
Frage:
Gab es nicht einen Vorgesetzten, dem derlei Dinge mißfielen?
Antwort:
Ja, natürlich. Ganz besonders der Gasmeister von den Stadtwerken.
Dem
unterstanden wir. Wenn er kam und schimpfen wollte, gingen wir in den
Kran nach oben. Da kam er nicht mit - notfalls ging es auf den Ausleger.
Frage:
Gab es andere besondere Erlebnisse?
Antwort:
Ja. Einmal, nur einmal hatte ich verschlafen. Da war ich erst um 2.00
Uhr
nach Hause gekommen und um 5.00 Uhr wollten wir anfangen zu arbeiten.
Da standen die bei mir vor der Tür unter Führung von Attje
Gleis und
fragten: Was ist mit Dir denn los? Da habe ich gesagt, ich wäre
erst um 3.00
Uhr zuhause gewesen.
Frage:
Sonstige besondere Ereignisse?
Antwort:
Der Gottwald war wesentlich schneller. Es konnten nur 2 Schiffe
hintereinander am Kai liegen und wenn ein Schiff leer war, mußte
verholt
werden. Das leere zog raus und der Kran holte sich das volle an die
Pier.
Das ging mit Seil überlegen und über Kupplung auf Winde.
Frage:
Warst Du dabei, als das neue Getriebe von Demag eingebaut wurde?
Antwort:
Ja, da war ich dabei. Das war in den 60-er Jahren.
Frage:
Warst Du dabei, als die Königsachse repariert wurde und neue Muttern
erhielt?
Antwort:
Ja, das hat alles die Fa. Tiedemann und Capell gemacht. Die Firma hat
auch
am Ausleger geschweißt. Das ging alles und was Dr. Schneider dazu
gesagt
hat, konnte ich nicht nachvollziehen.
Frage:
Was passierte, wenn ein Schiff leer wurde?
Antwort:
Dann mußte der Moses und die Mannschaft den Laderaum sauber fegen
und der Käpt'n fuhr mal eben nach Hause. Die waren doch alle von
hier.
Einer war dabei, der hieß Schröder, der hatte mit seinen
80 to. nur 1 Luke
und die war ganz klein und da mußte die Ladung immer unter die
Luke
geschaufelt werden. Als die Wika dabei war, wurden die Schiffe größer
und
auch die Luken und da hatten wir dann so einen kleinen Schieber
angeschafft, der in den Laderaum reingesetzt wurde. Da wurde der Zeitfaktor
wichtig.
Frage:
Was würdest Du sagen, gab es ein besonderes glückliches Ereignis?
Antwort:
Schön war es immer und wir waren jedesmal glücklich, wenn
ein Schiff
leergemacht worden war - nicht wur wegen der Buddel Schluck .
Frage:
Wenn es viel Spaß gegeben hat, gab es dann auch traurige Vorfälle
z. B.
Unfälle?
Antwort:
Nein! Haben wir nicht gehabt, solange ich da war und vorher auch nicht.
Frage:
Wie ging das denn so mit der HBG?
Antwort:
Ich war immer bei den Stadtwerken. Die hatten mit der Wika die HBGFederführung
bei der Wika, die auch die Leute stellten. Nur wenn ich
kranen mußte, wurde ich abgestellt und für mich mußte
ein Wika-Mann
zu den Stadtwerken. Der wurde dort im Leitungsbau eingesetzt - anfangs
mit 9 Stunden und später mit 8 Arbeitsstunden. Ich mußte
aber 12-13
Stunden machen und bekam Überstunden nicht bezahlt. Das war nicht
vorgesehen. Trotzdem wollte ich immer bei den Stadtwerken bleiben u.
a.
auch wegen der Zusatzversorgungen.
Frage:
Warst Du traurig, als der Kran außer Betrieb kam?
Antwort:
Nicht sofort, weil ich mit dem Gottwald in Stadersand arbeitete. Erst
als
ich dann hörte, daß auf Anweisung von Herrn Hinrichs alles
aus dem Kran
ausgebaut worden ist, wurde ich traurig. Die große Schalttafel
soll wohl
zur Berufsschule gekommen sein. Ich habe für mich nur die Schaltuhr
für
den Tannenbaum mitgenommen.
Frage:
Weißt Du, daß der Schaft für den Tannenbaum bei der
Renovierung neu
aufgebaut wurde?
Antwort:
Das mußte ja auch wohl und ein Kabel habe ich da auch schon gesehen.
Frage:
Hast Du noch irgendwelche Anregungen und Vorschläge, was bei der
Renovierung berücksichtigt werden sollte?
Antwort:
Das Seil muß wieder her. Das konnten wir am Greifer lösen
und dann anders
mutzen.
Frage:
Bist Du noch ein wenig traurig?
Antwort:
Na, ja. Ist doch natürlich, wenn man den Kran so lange gefahren
hat und es
eine schöne Zeit war.
Frage:
Mußte man viel Rücksicht auf Ebbe und Flut nehmen?
Antwort:
Die Schiffe mußten richtig festmachen.
Frage:
Warum das denn?
Antwort:
Da war doch die Schleuse und wenn der Schleusenwärter die richtig
aufmachte, gab es einen gewaltigen Strom. Einmal hatte sich ein Schiff
ganz losgerissen. Das lag drüben bei Hagenah-Borcholte. Das habe
ich mit
dem Kran wieder an die Stadtseite gezogen. Danach hat der Schleusenwärter
Edler immer vorher Bescheid gesagt, wenn er stürzen lassen wollte.
"Schiffe
ordentlich festbinden".
Frage:
Haben wir alle wichtigen Dinge angesprochen? Wenn Dir noch was einfällt,
kannst Du es ja noch nachtragen.
Schlußwort:
Na! Mit dem Schirmer haben wir immer unseren Spaß gehabt. Es war
eine
schöne Zeit. Jetzt muß ich zum Mittagstisch und schön,
daß der Kran
restauriert wird. Schade, daß es sein Innenleben nicht wieder
kriegt.
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